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Gerechte Behandlung und Kriminalisierung

Unfälle geschehen in allen Branchen, aber wenn es zu solchen kommt, dann gibt es keinen vergleichbaren Sektor, der seine Arbeitnehmer wie Kriminelle behandeln würde.

Passiert ein maritimer Unfall, wird oftmals impliziert, dass Seefahrende und die Mitarbeitenden der Binnenwasserschifffahrt in irgendeiner Art und Weise bewusst darauf aus waren, eine Kollision, einen Schaden oder ein Verschütten zu verursachen.

Trotz der globalen Abhängigkeit von der Schifffahrtsindustrie, nehmen die Medien, Regierungen und die Öffentlichkeit weltweit oft kaum Notiz von ihr – bis es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall kommt.

Wenn sich ein Vorfall ereignet, insbesondere wenn dabei Passagiere verletzt werden, jemand zu Tode kommt oder Verschmutzungen die Folge sind, dann führt dies oftmals zu grosser öffentlicher Empörung. Und häufig wird auch gefordert, dass jemand persönlich zur Rechenschaft gezogen werden soll. Dabei geraten im Normalfall Kapitäne und hohe Offiziere als erste ins Schussfeld der öffentlichen Kritik.

Selbstregulierung

Nautilus ist der Überzeugung, dass die Schifffahrtsindustrie gleich wie landgestützte Berufssparten betrieben werden sollte: In vielen anderen Branchen gibt es eine Selbstregulierung, die darauf abzielt, in Unfälle verwickelte Personen in einem beruflichen Kontext zur Verantwortung zu ziehen.

Wenn es beispielsweise im Bereich der Ärzteschaft vorkommt, dass ein Patient aufgrund von Fehlern des medizinischen Personals stirbt, werden die Ärzte nicht routinemässig strafrechtlich wegen Totschlags verfolgt und müssen üblicherweise auch nicht ins Gefängnis. Über die beschuldigten Ärzte urteilt ein Gremium aus Berufskollegen und dieses befindet darüber, ob die Angeschuldigten fahrlässig gehandelt haben. Bei einem Schuldspruch ist es möglich, dass deren Praxiszulassung widerrufen wird.

Lokale und internationale Gesetze

Die Schifffahrtsindustrie agiert weltweit und auf der ganzen Welt kann es zu Zwischenfällen kommen. Seefahrende werden für die Gebiete, in denen sie fahren, nicht mit Informationen bezüglich lokaler Vorschriften und internationaler Gesetze beliefert. Wäre dem anders, könnten es Seefahrende vermeiden, gegen diese Vorschriften und Gesetze zu verstossen, wenn sie fremde Territorialgewässer und Häfen anlaufen.

Der Bericht von Nautilus bezüglich der Kriminalisierung von Seefahrenden beinhaltet die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung aus dem Jahre 2010 sowie Beratung und Betreuung für Mitglieder. Dabei wird aufgezeigt, wie Mitglieder auf Vorfälle, die Kriminalisierung und Untersuchungen nach sich ziehen, reagieren können.

Nautilus hat dazu beigetragen, die gemeinsamen Richtlinien der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bezüglich der gerechten Behandlung von Seefahrenden im Falle eines maritimen Unfalles zu entwickeln. Nautilus arbeitet auch darauf hin, zu gewährleisten, dass die Richtlinien von allen Ländern akzeptiert und umgesetzt werden.

Welche Hilfe gibt es für mich, wenn ich in rechtliche Schwierigkeiten gerate?

Die Schifffahrt ist eine globale Industrie und solltest Du in einen Vorfall verwickelt werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Du Dich ausserhalb von Deinem Wohnsitzland befindest. Deshalb ermöglicht Nautilus seinen Mitgliedern freien Zugang zu Juristen, die auf Schifffahrts- und Seerecht spezialisiert und auf der ganzen Welt stationiert sind. Sobald diese kontaktiert werden, sind sie bereit, unseren Mitgliedern zu helfen – was für den Einzelnen kostenlos ist.

Ausserdem gibt es unsere Nautilus-Helpline, die sieben Tage die Woche erreichbar ist, und Dich unterstützen kann.

Zusammen mit weiteren Gewerkschaften der Nautilus-Föderation ist Nautilus Teil von JASON, dem Joint Assistance and Support Network. Im Rahmen dieses Schemas kannst Du Hilfeleistungen von einer der dazugehörenden Gewerkschaften in Anspruch nehmen, sofern Du in einem Land in Schwierigkeiten steckst, in welchem eine dieser Gewerkschaften ansässig ist. Dies trifft auch zu, wenn Du Dich in den Hoheitsgewässern des betreffenden Landes oder auf einem ihrer nationalen Schiffen aufhältst. Mehr Informationen dazu, wie JASON Dich unterstützen kann oder wie Du auf diese Dienstleistungen zugreifen kannst, findest Du auf der Webseite der Nautilus-Föderation – zusammen mit einer Liste aller relevanten Gewerkschaften.

Vergiss nicht: Falls Du irgendwo auf dieser Welt in einen Vorfall verwickelt bist, dann solltest Du immer so rasch wie möglich die Gewerkschaft kontaktieren. Und dies in jedem Fall noch bevor Du gegenüber irgendeiner untersuchenden Behörde ein Statement abgibst.

Was kann ich bezüglich Kriminalisierung unternehmen, um eine gerechte Behandlung von Seefahrenden zu erlangen?

Nautilus betreibt sowohl bei den Regierungen Grossbritanniens, der Niederlande und der Schweiz als auch bei der EU Lobbyarbeit, um zu gewährleisten, dass die Gesetzgebung, welche die Seefahrenden betrifft, das Risiko der Kriminalisierung nicht erhöht. Alle Mitglieder sollten ihre gewählten Repräsentanten kontaktieren und ihre Meinung zur Kampagne kundtun.

Mitglieder können auch ihren Arbeitgeber darum bitten, zu gewährleisten, dass deren Arbeitnehmer mit allen relevanten Informationen zu den Gebieten ausgestattet sind, in denen diese unterwegs sind – Nautilus wird Dich bei diesen Bemühungen unterstützen.

Die Gewerkschaft veranstaltet häufig Seminare zum Thema der Kriminalisierung, bei denen fachkundige Juristen die Mitglieder über das Thema informieren und darlegen, wie mit maritimen Vorfällen umzugehen ist. Die Nautilus-Eventliste zeigt an, ob bald wieder ein solches Seminar stattfinden wird.

Werde noch heute Nautilus Mitglied